Artikel aus dem Hamburger Abendblatt vom 1. Juli 2005:


Zu Fuß durch die Orgelmusik

Hamburg - Daß er nicht nur allerlei Fertigkeiten in den Fingern hat, sondern auch gut zu Fuß ist, bewies Christoph Schoener beim Auftakt des Orgelsommers im Michel. Grandios, wie der Kirchenmusikdirektor Liszts "Der Heilige Franziskus von Paula auf den Wogen schreitend" (Orgel-Bearbeitung von W. Sebastian Meyer) mit links vom Spieltisch und per pedes von den Pedalen fegte. Wie er die Wogen rollen und den Heiligen darüber schreiten ließ. "Musik ist eine Sprache, in die Gott übersetzt wird", meinte der scheidende Hauptpastor Helge Adolphsen in seiner Eingangsrede. Bei Liszt jedenfalls zeugte jeder Ton von tiefer Religiosität.

Zu Beginn des Benefizkonzertes (zugunsten der Helma und Gerhard A. Hellmonds Stiftung für Menschen im Wachkoma und deren Angehörige) interpretierte Schoener souverän Bachs Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564. Weniger bekannt, aber um so spannender waren die beiden letzten Werke: Gaston Litaizes (1909-1991) mysteriöses "Prélude et Danse fuguée", das der Fugentechnik des Barock einen fratzenhaften Spiegel vorhält, und Alexandre Guilmants (1837-1911) hochromantische Sonate Nr. 5 mit einem ganz wunderbaren Adagio. (bbr)