Montag, 09. Januar 2006  |  Ostsee Zeitung

Ehrenamtliche helfen im Haus der Wachkomastiftung

Am Sonnabend war der erste Arbeitseinsatz in dem Haus der Hellmonds Stiftung, das bereits Ende des Jahres zum Haus für Wachkomapatienten werden soll. Die Helfer haben mit wenig viel geschafft.

Wismar „Mein Schwiegersohn hat vier Monate im Wachkoma gelegen“, sagt Horst Möller, während er für einen Moment die schweißtreibende Arbeit unterbricht und holt tief Luft. „Nach einem schweren Verkehrsunfall, bevor er dann verstorben ist.“ Die Frage nach dem Grund, wieso er mithilft, erübrigt sich. „Ich weiß, worum es geht, ich weiß, was Wachkoma bedeutet. Ich habe das alles schon einmal miterlebt.“ Horst Möller bestätigt aus tiefer Überzeugung, dass das, was gerade in Wismar entsteht, sehr wichtig ist.

Der gelernte Heizungsmonteur ist am Sonnabend extra für den ersten Arbeitseinsatz von Rostock nach Wismar gekommen. Einige wenige Tatkräftige folgten, ebenso wie dieser Mann, dem Aufruf, den die Helma und Gerhard Hellmonds Stiftung in der OSTSEE-ZEITUNG veröffentlichte, ehrenamtlich mit anzupacken. Diejenigen, die ihm am Sonnabend gefolgt waren, haben ordentlich angepackt.

Morgens um 9 Uhr betraten sie erstmals das Haus in der Bauhofstraße, in dem ab Ende des Jahres Wachkomapatienten eine würdige Umgebung finden sollen. Und sie waren überrascht, wie gut der Zustand des nach außen doch eher marode marode scheinenden Gebäudes am östlichen Ende der Altwismarstraße.

Als die erste Aufgabe für die ehrenamtlichen Helfer standen Abrissarbeiten an. Die veralteten sanitären Anlagen mussten herausgerissen, alte Heizkörper, verstaubte Waschbecken, Holzverkleidungen von anno dazumal mit dem Brecheisen und roher Gewalt von den Wänden geholt werden. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es gleich so praktisch los geht“, musste Marian Herrmann (51), Stahlschiffbauer und Diplomingenieur für Maschinenbau, lachen. Er war wie einige andere erstmal in „Zivil“ und nicht in Arbeitskluft zum Informieren gekommen. Trotz guter Hose packte er mit an, während viele andere die Arbeitssachen von zu Hause holten. „Wieso ich mitmache? Ich bin arbeitslos, schon lange, und hoffe so auf einen Job.“ Herrmann will zeigen, was er kann. Und vielleicht klappt es und er kann auf sich aufmerksam machen und überzeugen. „Wenn nicht, habe ich wenigstens etwas Sinnvolles getan.“ Und vielleicht auch mal wieder das Gefühl gehabt, mit seiner Arbeitskraft gebraucht zu werden.

„Ich möchte mich einbringen“, sagt Klaus Schlothauer aus Saunstorf. Eigentlich ist der 54-jährige Klempnermeister, weiß aber aus eigener Erfahrung, dass es viel mehr gibt zwischen Himmel und Erde. So findet er die Auseinandersetzung mit dem Thema Wachkoma höchst interessant, nicht nur aus menschlicher, sondern auch aus medizinischer Sicht. Er findet es gut und wichtig, dass in Wismar jetzt dieses Haus für Wachkomapatienten entsteht.

Nach dem ersten Entrümpeln muss noch viel geschehen, bevor Patienten in der Bauhofstraße 1 einen Ort finden, an dem sie würdevoll leben, würdevoll ins Leben zurückfinden können. Aber auch um würdevoll sterben können. „Ein Haus, das für all dies den richtigen Rahmen bietet“, so Stiftungsgründer Gerhard A. Hellmonds. Er dankt den Helfern und Spendern: „Aber wir brauchen noch weitaus mehr Hilfe.“ Finanziell oder durch ehrenamtlich. Weitere Informationen zur Hellmonds-Stiftung für Wachkomapatienten oder zum Haus gibt es unter Tel.: 0 38 41/26 76 19.
NICOLE HOLLATZ



Nur wenige Helfer waren beim ersten Arbeitseinsatz dabei, um das Haus zu entrümpeln. Aber sie haben einiges geschafft.

Foto: N. H.