Artikel am Mittwoch, 23. November 2005 in der Ostsee Zeitung erschienen  

Wachkomapatienten erhalten ein Domizil

Senator Michael
Berkhahn (r.)
versprach
gestern, den von
Gerhard A.
Hellmonds
gestellten
Bauantrag
schnell zu
prüfen. Beide
zeigen eine
Bauzeichnung
mit der Ansicht
des Gebäudes
Bauhofstraße 1,
das später als
Wohnhaus für
Wachkomapatienten
dienen
soll.

Gerhard A. Hellmonds übergab gestern die Unterlagen für den Bauantrag zum Wohnhaus für Wachkomapatienten.

Wismar Mit drei dicken Ordnern voll Papier rückte gestern der Wismarer Unternehmer Gerhard A. Hellmonds im städtischen Bauordnungsamt an, um den Bauantrag für das Wohnhaus für Wachkomapatienten zu stellen. Dazu soll das Gebäude Bauhofstraße 1, das der Wismarer Architekt Thormann 1864 als sein Wohnhaus errichtete, das um 1900 als Offizierskasino und bis 1993 von der Kreisverwaltung genutzt wurde, umgebaut werden. Das Wismarer Büro für Architektur und Bauleitplanung war mit den vorbereitenden Arbeiten befasst, legte u. a. Sanierungsgutachten und denkmalpflegerische Stellungnahme vor, so Architekt Holger Berlin. Er half gestern seinem Auftraggeber beim Tragen der dreifach ausgefertigten Bauunterlagen.
„Es ist gut, dass ein städtebaulicher Missstand beseitigt und ein wichtiges denkmalgeschütztes Objekt wieder einer Nutzung zugeführt wird, das obendrein einem karitativen Zweck dient“, zollte Bausenator Michael Berkhahn (CDU) dem Vorhaben Anerkennung. Die sanierte Fassade wird dem Original nachempfunden. Der um 1960 wegen Baufälligkeit abgetragene Turm zur Lindengarten-Seite soll wieder aufs Dach gesetzt und die Spindeltreppe im Innern restauriert werden. Das Haus erhält einen Anbau für einen Bettenaufzug. Auf der Fläche der Bauhofstraßen-Insel soll ein kleiner auch öffentlich zugänglicher Park mit Bänken, Brunnen, Plastik und Beleuchtungspollern angelegt werden.
Die Stadt hatte der Stiftung das Grundstück zur Verfügung gestellt. Die Idee für das Haus hatte der Initiator schon mit Gründung der deutschlandweit einzigartigen Helma und Gerhard A. Hellmonds Stiftung am 26. April 2002. Dank gebühre der Stadt, die diese Idee schnell aufgriff und unterstützte, so dessen Vorstands-Vorsitzender. Stiftungs- und Barvermögen in Höhe einer dreiviertel Million Euro will er investieren. „Jetzt bin ich dabei, Mittel zu akquirieren. Wenn ich die Baugenehmigung habe, geht es mit der Finanzierung los“, stellte er in Aussicht.
Die verkehrstechnische Lage des Hauses – einerseits unmittelbar an der bewegten Fußgängerzone, andererseits am ruhigen Lindengarten – sei ideal, pries Gerhard A. Hellmonds, denn: „Viele Menschen im Wachkoma haben ein Wahrnehmungsvermögen und den Wunsch, wieder aufzuwachen.“ 18 Patienten aus ganz Deutschland soll es später einmal Platz bieten. Sie sollen über Therapieräume, Schwimmbecken, Whirlpool, Räume für Licht- und Musiktherapie verfügen. „Die anfängliche Zahl der Mitarbeiter von 20 soll sich in der Endphase auf 40 erhöhen“, schickt Hellmonds planend voraus. Das wichtigste Ziel: „Die Lebensqualität von Menschen im Wachkoma zeitweise oder dauernd zu verbessern, damit sie spüren: sie besitzen noch ihre Persönlichkeit.“

KARIN MUSILINSKI

 

Trommeln für Geld
Ein Vorhaben, das noch sehr
viel Geld braucht. Gerhard A.
Hellmonds rührt dafür die Werbetrommel,
wo es nur geht.
Jetzt soll auch der Sanierungsträger
BauGrund eine finanzielle
Förderung prüfen. Dass mit
dem Vorhaben nicht nur einem
zutiefst humanen Anliegen gedient,
sondern auch einem
verschönerten Stadtbild gedient
ist, bringt doppelten Wert.
Im Zuge der Planungen sollte
die Stadt auch das Kassenhäuschen
des ehemaligen Busbahnhofs
berücksichtigen. Einem
nützlichen Zweck zugeführt,
könnte sie die Insel an der Wismarer

Die schändliche Fassade des künftigen Wohnhauses für Wachkomapatienten an der Bauhofstraße war nach erlittenen Kriegsschäden 1950 neu gestaltet und in der Architektur sehr vereinfacht worden.

OZ-Fotos (2): K. M.